Was ist nachhaltige Mode?

Was ist nachhaltige Mode?

Im Jahre 2007 haben wir unser Ladengeschäft eröffnet und begannen mit einem Sortiment aus kleineren Modelabels und Taschen aus recycelten Materialien. Der Begriff der fairen und nachhaltigen Mode war noch nicht in aller Munde.


Von Anbeginn an führen wir die Modelabels ARMEDANGELS und People Tree. Uns hat an diesen Labels in erster Linie der unkonventionelle und alternative Ansatz gefallen. Wir wollten auch damals schon ein Zeichen gegen übermäßigen Textilkonsum setzen und ein „Back to the roots“ – Gefühl vermitteln. Der Begriff der Nachhaltigkeit war uns zu dieser Zeit jedoch nur unterschwellig bewusst und konzentrierte sich mehr auf Taschenlabels und das Upcycling von LKW-Planen oder Segeltuch. Vom 20. Bis 26. September findet der Deutschen Aktionstag Nachhaltigkeit statt. Was bedeutet das für Kleidungsstücke, Kleidung und Mode allgemein?

Was macht eigentlich nachhaltige Mode aus?

Mode ist Grundbedürfnissen und Ausdrucksform der Menschen zugleich. Entsprechend groß ist der Anteil der Modebranche an der Wirtschaftstätigkeit. Die Modebranche verursacht ca. 4% der weltweiten Treibhausgasemissionen wie eine Studie von McKinsey & Company und Global Fashion Agenda von 2020 zeigt. Nachhaltige Mode folgt einem ganzheitlichen Ansatz der Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette, der sowohl ökologische als auch soziale-ökonomische Komponenten berücksichtigt und eine Reproduzierbarkeit der eingesetzten Ressourcen zum Ziel hat.

Ökologische Nachhaltigkeit

Unter ökologischer Nachhaltigkeit versteht man das Herstellen von Produkten mit möglichst geringen Auswirkungen auf die Umwelt, welche die Erneuerung der genutzten Ressourcen möglich macht. Hierzu zählen der Einsatz von nachwachsenden oder recycelten Materialen, der Verzicht von Pflanzenschutz-/ Insektenschutzmitteln beim Anbau sowie geringe Transportaufwendungen während der Herstellung.

Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Vergleich verschiedener Materialien über den Higg Index der Sustainable Apparel Coalition. Dieser Index bewertet die Faktoren:

  • Beitrag zur Klimaerwärmung
  • Eutrophierung (Überdüngung von Gewässern)
  • Wasserknappheit
  • Verbrauch fossiler Brennstoffe und 
  • Chemische Auswirkungen

bezüglich Ihrer Auswirkungen auf die Umwelt.

Textilsiegel können einen Anhaltspunkt geben. Relevante Siegel aus diesem Bereich sind beispielsweise: Global Organic Textile Standard (GOTS), bluesign® Systems oder auch das Siegel Cradle to Cradle Certified™.

Soziale Nachhaltigkeit

Jeder Mensch soll von seiner Hände Arbeit leben können. Soziale Nachhaltigkeit umfasst sowohl sichere Arbeitsbedingungen als auch eine faire Entlohnung aller in der Produktionskette beteiligter Menschen. Eine faire Entlohnung schließt hierbei nicht nur die Abdeckung der Grundbedürfnisse, sondern auch die Mittel für Bildung und Entwicklung ein.

Relevante Siegel sind: Fair Wear Foundation (FWF) und Fairtrade®.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Klingt banal, ist aber wesentlich: die erste Pflicht eines Unternehmens besteht in der Erhaltung des Unternehmens selbst. Nur so kann es seinen Verpflichtungen gegenüber Lieferanten, Mitarbeitern und Kunden gerecht werden. Unter ökonomische Nachhaltigkeit versteht als man eine Gewinnerwirtschaftung bei gleichzeitiger Reproduktion der hierfür eingesetzten Ressourcen aus Rohstoffen, Waren und Kapital.

Welche neuen Trends gibt bei nachhaltiger Mode?

Die Modebranche ändert sich ständig. Der Trend zu nachhaltiger Mode hat sich in den letzen Jahren insbesondere durch die Fridays for Future – Bewegung verstärkt. Darüber hinaus sind uns sind die folgende Trends aufgefallen.

Kreislaufwirtschaft

Upcycling und Recycling waren uns in erster Linie aus dem Bereich Taschen, Rucksäcke und Accessoires bekannt. Planentaschen aus upcycelten LKW-Planen von FREITAG® zählten zu den Pionieren und sind Klassikern der Branche. Rucksäcke aus recycelten PET-Flaschen von pinqponq sind relativ neu.

Nicht vollkommen aber relativ neu ist das Recyceln von Textilien, was sich im relativ geringen Recyclingrad von Textilien ausdrückt. Voraussetzung hierfür sind homogene Ausgangsmaterialien mit keiner oder geringer Beimischung von Fremdmaterialien. Aufgefallen und bei uns erhältlich sind Accessoires aus recyceltem Kaschmir von Rifo und Longsleeves aus recyceltem Jeansdenim von Blue Loop. Neben diesen Modelabels führen praktisch alle großen Modelabels aus dem Bereich faire und nachhaltiger Mode recycelte Baumwolle oder Hanf im Materialmix als Beimischung. 

NOS 

Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Bezeichnung „Never out of stock“. Was wie grenzenlose Produktion anmutet und bei vielen Aversionen hervorrufen dürfte, ist als Produktionsansatz viel intelligenter als der herkömmliche Ansatz der Modebranche. Diese – immer verfügbaren Produkte – werden nur bei entsprechendem Absatz nachproduziert.

Ganz im Gegensatz zu sonst für neue Kollektionen üblichen Vorordermodell, bei dem Bestellungen der Einzelhändler vom Modelabel gebündelt und die Kleidungsstücke ca. sechs Monate vor der eigentlichen Saison produziert werden, ohne den realen Bedarf der Endverbraucher zu kennen.

Made-to-order

Mode wie vom Schneider. Diese Produktionsart steht für Fertigung nach Bestellung und wird heute von eher kleinen Modelabels genutzt, um ihre Produkte künstlich zu verknappen und besonders begehrenswert erscheinen zu lassen. Und dennoch könnte diese Urform der Textilproduktion in Zukunft mit dem Fortschreiten neuer Technologien größere Anteile einnehmen. Dadurch würde übermäßiger Textilkonsum zwar nicht verhindert, eine Überproduktion jedoch automatisch vermieden werden können.

Welche alten Trends gibt es bei nachhaltiger Mode?

Es sind die üblichen und allseits bekannten Verdächtigen. Zu ihnen zählen: hohe Produktqualität, zeitlose Modelle und die damit verbundene lange Nutzbarkeit von Kleidung. Zumindest einen Teil seiner Kleidung sollte man mit immergleichen Basics abdecken.


Links:

Fashion on Climate, How the fashion industry can urgently act to reduce its greenhaus gas emissions
McKinsey & Company (McKinsey) in partnership with Global Fashion Agenda (GFA), 2020

Wie nachhaltig sind Textilien – ein Vergleich durch den High Material Index
Webseite www.kymo.de, 2021

Überblick zu verschiedenen Siegeln
Webseite www.siegelklarheit.de


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