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Faire Mode statt Fast Fashion

Faire Mode statt Fast Fashion – Kleidung als Gewissensfrage ist der Titel einer österreichischen Dokumentation von Kurt Langbein und Katharina Wohlgenannt. Sie wurde am letzten Mittwoch bei 3sat gezeigt und kann noch bis zum 26.06.19 online angesehen werden. Wir haben für uns viel Neues entdeckt und Einblicke in Bekanntes erhalten.


Was ist Fast Fashion?

Shopping
Shopping

Laut Wikipedia wird als Fast Fashion ein Geschäftsmodell des Textilhandels bezeichnet, bei dem „die Kollektion laufend geändert und die Zeit von den neuesten Designs der Modeschöpfer zur Massenware in den Filialen stark verkürzt wird. Die stetige Veränderung des Sortiments soll die Kunden dazu bewegen, die Verkaufsflächen immer wieder aufzusuchen.“ Ziel ist dabei eine deutliche Umsatzsteigerung durch den Verkauf größerer Stückzahlen. Dies führte zu einer wahren Flut von Bekleidung und von 2010 bis 2015 zu einer mengenmäßigen Verdopplung der weltweiten Bekleidungsproduktion.

Fast Fashion hat auch unseren Umgang mit Kleidung verändert: wie wir Mode wahrnehmen, was wir anziehen und wie lange wir etwas tragen. Jeder Deutsche kauft etwa 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr und trägt diese halb so lange wie vor 15 Jahren.

Report: Konsumkollaps durch Fast Fashion, 14.02.2017, Greenpeace

Was sind die Folgen von Fast Fashion?

Färben in der konventionellen Modeindustrie
Färben in der konventionellen Modeindustrie

Der Fast Fashion Trend hat zu einem rasanten Anstieg der produzierten Textilmenge geführt. Wenn jeder deutsche Verbraucher jährlich für etwa 10 kg neue Kleidung kauft, sind es in den USA noch höhere 16 kg, in Afrika und Fernost jedoch nur etwa zwei Kilogramm. Interessant ist, dass die o.g. mengenmäßige Verdopplung nur zu einem im Verhältnis geringen Umsatzanstieg von 10% führte. Kleidung wird also immer preiswerter, d.h. preiswerter hergestellt und mit größeren Rabatten abgegeben. All dies führt zu einem höheren Ressourceneinsatz. Der Natur werden einerseits größere Mengen an Rohstoffen entzogen und andererseits wird sie mit einer größeren Menge an giftige Chemikalien belastet. Weltweit wird ca. ein Viertel der weltweiten industriellen Wasserverschmutzung durch die Textilindustrie hervorgerufen.

Downcycling von Kleidung
Downcycling von Kleindung

Beim Endverbraucher führt dies zu einer Bekleidungsflut in den eigenen Beständen und zu einem schnelleren Aussondern von Kleidung und letztlich zu einem höheren Aufkommen an Müll, das größere Ressourcen für das Recyceln benötigt. Das Recyceln selbst ist durch die zu verarbeitende Menge und mindere Qualität ebenfalls nicht unproblematisch. Etwa die Hälfte der gesammelten Altkleider landet bei Textilverwertern. Ein großer Teil davon als Export in Entwicklungsländern, wo sie zu Spottpreisen abgestoßen werden und die regionale Textilindustrie gefährden. Zu derem Schutz haben inzwischen 42 Nationen, überwiegend in Afrika, Süd-Amerika und Asien, den Import von Altkleidern beschränkt oder ganz verboten (Quelle: Report: Konsumkollaps durch Fast Fashion, 14.02.2017, Greenpeace). In Deutschland werden ca. 25% der Alttextilien dem Downcycling zugeführt, d.h. die Fasern werden zu einem qualitativ schlechteren Endprodukt – wie beispielsweise Putzlappen und Fußmatten – verarbeitet.

Was ist Faire und nachhaltige Mode?

Neue Wege gehen hier Organisationen und Unternehmen aus dem Bereich Fairer und nachhaltiger Mode. Dies ist kein wirklich neuer Bereich. Seine Anfänge reichen zurück bis in die 80-ziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Ziele dieser Bewegung sind:

  • Fairness, d.h. Zahlung eines existenzsichernden Lohnes und Einhaltung von sozialen Mindeststandards
  • Nachhaltigkeit, d.h. Produktion ohne Einsatz von Pestiziden und Herbiziden und ohne den Einsatz von chemischem Düngemittel oder gentechnisch veränderten Saatgut.

Die Herstellung ist natürlicher und ressourcenschonender, die produzierten Mengen geringer. Man muss sich natürlich vergegenwärtigen, dass ein existenzsichernder Lohn dabei immer noch deutlich unter westlichen Vorstellungen liegt und, dass auch Modelabels aus dem Bereich Fairer und Nachhaltiger Mode in Konkurrenz zueinander und zum herkömmlichen Modemarkt stehen.

Faire Mode - Bäuerin in Indien
Bäuerin in Indien
Faire Mode - Baumwollverarbeitung in Indien
Baumwollverarbeitung in Indien

Im Film wurden zwei Projekte aus Indien erwähnt, die Chetna Organic Farmers Association (COFA) und die Kooperative Creative Handicrafts aus Mumbai.

Creative Handicrafts

Creative Handicrafts beschäftigt sozial benachteiligte Frauen. Die Entlohnung erfolgt auf Stücklohnbasis, den die Mitarbeiterinnen selbst berechnen. Die Mitarbeiterinnen sind am Gewinn beteiligt. Es gibt eine Firmenkinderkrippe/ – garten sowie eine Kantine. In unserem Laden führen wir Artikel von Creative Handicrafts, z.b. das Penelope Squirrel Top von People Tree.

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Penelope Squirrel Top

Chetna Organic Farmers Association (COFA)

Die Chetna Organic Farmers Association (COFA) ist eine in 2004 gegründete gemeinnützige Organisation zur Verbesserung der Lebensgrundlagen der Farmer.

In unserem Laden gibt es ebenfalls Produkte aus Bio-Baumwolle der Chetna Organic Farmers Association (COFA) – z.B. den Sara Wrap Cardigan von People Tree, der vom indischen Hersteller RAJLAKSHMI mit Bio-Baumwolle von COFA gefertigt wurde.

Sara Wrap Cardigan in yellow von People Tree
Sara Wrap Cardigan

Was ist uns sonst noch aufgefallen ist …

Es gibt viele interessante Firmen und Ansätze auf dem Gebiet Fairer und Nachhaltiger Mode. Sie reichen von nahezu historisch anmutender Herstellung von Kleidung über händisches Recyceln/ Umfunktionieren einzelner Kleidungsstücke aus der Altkleidersammlung bis hin zur industriellen Herstellung vollkommen neuer Stoffarten.

Flachsbauer Stefan Fölser

Flachsbauer Stefan Fölser

Flachs war bis zum Aufkommen der Baumwolle der Rohstoff für Bekleidung. Heute nimmt er mit unter einem Prozent Anteil ein Nischendasein ein. Aber auch das kann schön sein. Bauer Stefan Fölser gründet in Erinnerung an seine Kindheit die NFF – NATURFASER FÖLSER und wurde zum Flachsbauer mit Einzelfertigung von Jeans aus Leinen-/Bio-Baumwollmischung.

Holz als Kleidungsbasis

Lenzing AG

Die Lenzing AG kommt aus Lenzing, was sich wunderbar merkt und in Österreich liegt. Lenzing steht für künstliche Fasern aus dem natürlichen Rohstoff Holz, wie z.B. Tencel™. Beeindruckend sind die Dimensionen des im Film gezeigten Werkes und es ist zweifellos auch eine Hoffnung, weil eine industrielle Technologie durch ihre Größe die Welt verändern kann und Nacharmer anzieht, was die Welt noch mehr verändern kann.

Pure Waste

Pure Waste kommt aus Finnland und nutzt als Ausgangsmaterial ausschließlich recycelte Materialien. Ziel ist es, klare zeitlose Mode herzustellen, die man immer tragen kann. Der Blatthornkäfer (engl. scarab beetle) im Firmenlogo stand im alten Ägypten für Wiedergeburt und Erneuerung.


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